Kein Platz für Spielverderber
Aus dem Kundenmagazin "1a wohnen" der Dogewo
Auf Rutschen und Wippen
ist kein Platz für Spielverderber.
Schritt für Schritt bringt die Dogewo alle 300 Kinderspielplätze in den Wohnquartieren auf Vordermann. Doch selbst neue Geräte und regelmäßige Wartung der Anlagen können die Zerstörungslust mancher Zeitgenossen nicht stoppen.
Ernst-Ulrich Wiehn glaubte nicht recht zu sehen. Durch den Lärm aufmerksam geworden, verfolgte der Scharnhorster Mieterbeirats-Vorsitzende mit ungläubigem Blick, wie Kinder mit faustdicken Knüppeln und Brettern auf die Spielplatzrutsche schlugen. Erst energisches Rufen brachte die Heißsporne schließlich zur Räson. Was Ernst-Ulrich Wiehn besonders aufregte: Der Dogewo-Spielplatz am Schumpeterweg war erst vor wenigen Monaten auf Vordermann gebracht und mit neuen Spielgeräten versehen worden.
Kein Einzelfall, heißt es bei "Metallbau Techno Line". Als Vertragspartner der Dogewo wartet das Aplerbecker Unternehmen regelmäßig die Anlagen; eine Art TÜV für Spielplätze. Wippen oder Federtiere, die in der Regel fünf Jahre halten, seien mitunter schon nach den ersten Monaten so beschädigt, dass sie in Reparatur müssten. Das sei zwar nicht die Regel. "Aber die Beschädigungen sind nicht gerade weniger geworden", sagt Firmenchef Rainer Elges. Er muss es wissen: Seine Mitarbeiter kennen sich auf den rund 300 Dogewo-Spielplätzen aus wie sonst nur wenige. Im Rhythmus von zwei Monaten warten sie im Auftrage der Dogewo die Anlagen und prüfen die Sicherheit von Rutschen, Wippen und Klettergerüsten. Modernste Technik kommt dabei zum Einsatz: Die Beschaffenheit von Holz beispielsweise wird mittels eines Bohrers getestet, der so fein arbeitet, dass er praktisch kein sichtbares Loch hinterlässt.
Dabei nehmen die Experten vom Spielplatz-TÜV die Geräte wesentlich häufiger unter die Lupe als früher. Längst hat die Dogewo die Zahl der regelmäßigen Wartungen von 2 auf 6 pro Jahr erhöht: Rutschen, Hängeseile und Federtiere sollen so sicher sein wie eben möglich. Die klassischen Schaukeln hat die Dogewo ohnehin von den Plätzen verbannt - die empfindlichen Gelenke haben nicht jedem Gewicht standgehalten. Selbstverständlich müssen schwere Verletzungen an allen Geräten ausgeschlossen werden, genau wie gefährliche Spielsituationen. Völlig ausblenden lasse sich ein gewisses Risiko aber nicht, weiß Rainer Elges. Kinder suchten gerade beim Spielen das Wagnis, "und Spielgeräte tragen dazu bei, die Risiken einzuschätzen".
In der Werkstatt von TechnoLine lässt ein Holzkamel den Kopf hängen. Es sieht aus wie duchgebrochen; ein Arbeiter schneidet die Figur zurecht. Etwa die Hälfte der Spielgeräte, die abmontiert werden, müssen aus Altersgründen den Platz verlassen - die andere Hälfte weil die Geräte beschädigt seien, schätzt Elges. Dabei sind neue, attraktive Exemplare nicht unbedingt zum Spottpreis zu haben, weiß Dogewo-Landschaftsarchitekt Frank Pachura. Selbst das kleinste Federtier kostet schon zwischen 2000 bis 3000 Euro, eine Rutsche aus Edelstahl um 6000 Euro. Da können die Spielverderber mit ihrer Lust am Kaputtmachen beträchtlichen Schaden anrichten. Rund 60.000 Euro gibt die Dogewo für Reparaturen aus, so viel wie nie. "Tendenz steigend", merkt Frank Pachura an. Eine Vielzahl von Spielplätzen hat die Dogewo in den vergangenen Jahren auf Vordermann gebracht und mit neuen, attraktiven Geräten versehen. Auch andere Anlagen, die in die Jahre gekommen sind, werden in einem mittelfristigem Programm Schritt für Schritt modernisiert. Spielgeräte, Reparaturen, Wartungskosten und nicht zuletzt der jährlich im Frühjahr und Sommeranfang fällige Sandwechsel: Unter dem Strich investiert die Dogewo pro Jahr eine halbe Million Euro in ihre Spielplätze.
Ernst Ulrich-Wiehn, der Mieterbeirats-Vorsitzende aus Scharnhorst, hat sich nach seinem Erlebnis am Schrumpeterweg vorgenommen, den Spielplatz, wann immer es geht, genauer ins Auge zu fassen. Einem Modell, wonach Mieter auf freiwilliger Basis Patenschaften für Spielplätze übernehmen, steht er eher verhalten gegenüber. Das höre sich zwar interessant an, meint Wiehn. Die Frage ist nur: Wie lange funktioniert so etwas?




